Die Werkstätte Gemeinwesenarbeit (GWA) am bifeb existiert bereits 40 Jahre. In den jährlich stattfindenden Tagungen wurden inzwischen über 200 gemeinwesenorientierte Projekte vorgestellt und mit Bezug auf bildungswissenschaftliche und gesellschaftspolitische Analysen reflektiert.

Die GWA wurde in den 70er Jahren von der Erwachsenenbildung (EB), insbesondere von der gemeindebezogenen EB des Rings Österr. Bildungswerke, als Reformprojekt „importiert“. Die Werkstätte GWA wurde 1979 von einem Team aus Vertreter_innen des bifeb (u.a. August Pöhn) und des Rings (u.a. Hannelore Blaschek) gestartet. Das Team erweiterte sich sehr bald um Aktivist_innen aus der Gemeinde- und Regionalentwicklung (u.a. Anton Rohrmoser), in der Folge um weitere Vertreter_nnen aus EB-Organisationen und der Sozialen Arbeit.

Die 2017 neu konstituierte Steuerungsgruppe besteht aus fünf Vertreter_innen aus EB-Organisationen und einem Vertreter aus der Sozialen Arbeit: Cornelia Primschitz (bifeb), Wolfgang Kellner (Ring Österr. Bildungswerke), Stefan Vater (Verband Österr. Volkshochschulen), Gerda Daniel (Arge-Region Kultur), Rahel Baumgartner (Österr. Gesellschaft für Politische Bildung) und Christoph Stoik (FH Campus Wien, Soziale Arbeit).

Die GWA wurde in der EB weniger als sogenannte Dritte Methode der Sozialen Arbeit (neben Einzelfall- und Gruppenarbeit), denn als Arbeitsprinzip und als freie Arbeit im und am Gemeinwesen rezipiert, bis hin zu einer „befreienden Praxis“ im Sinne Paolo Freires. Hauptziel war/ist dabei, Probleme von Bürger_innen oder Minderheiten in Gemeinden oder Stadtteilen als gesellschaftliche Probleme gemeinsam zu erkennen, zu analysieren und zu lösen – bestimmt von Bildung, Solidarität und Demokratie.

Die GWA erwies sich in der EB als Pionierin bei der Einführung aktivierender Methoden wie Zukunftswerkstätten, aktivierende Erhebungen und vielem mehr. Die Auseinandersetzung mit den über 200 Projekten seit 1979 wurde zu einem Seismograph der bildungs-, sozial- und kulturpolitischen Voraussetzungen für eine gesellschaftskritische Praxis der EB. Die zunächst erfreuliche allgemeine Durchsetzung von Prinzipien und Methoden der GWA in unterschiedlichsten gesellschaftlichen Programmen und Projekten (Bürgerbeteiligung, Raumplanung, Integrationsmaßnahmen usw.) machte zunehmend auch Ambivalenzen sichtbar.

Es zeigt sich, dass GWA – ebenso wie Gemeinwesen, Zivilgesellschaft usw. – „nicht an sich kritisch ist“ (Dieter Oelschlägel), „nicht per se gut, fortschrittlich und nachahmenswert“ (Sabine Stövesand) ist. D.h.: GWA lässt sich durchaus rein technokratisch, ja autoritär instrumentalisieren. Damit werden kritische Bildung und gesellschaftspolitische Reflexion zur zentralen Herausforderung für gemeinwesenorientierte Erwachsenenbildung.